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Bundeskartellamt startet ad hoc Untersuchung des Mineralölsektors

Das Bundeskartellamt leitet eine ad hoc Sektoruntersuchung mit Fokus auf die Raffinerie- und Großhandelsebene ein. Ziel ist es, die Gründe für die jüngsten Markt- und Preisentwicklungen auszuleuchten. Zugleich soll damit auch wichtige Grundlagen für die beabsichtigte Erweiterung der Aufgaben der Markttransparenzstelle geschaffen werden. Dies gab das Bundeskartellamt anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichts 2021 zur Tätigkeit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe bekannt.

Aktuelle Preisentwicklung – Erweiterung der Befugnisse der Markttransparenzstelle

Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen haben zu zahlreichen Verwerfungen im Kraftstoffmarkt geführt. Rohölpreise, die Abgabepreise der Raffinerien und die Preise an der Tankstelle sind in den vergangenen Wochen deutlich auseinandergelaufen.
 
Die Bundesregierung hat kürzlich vorgeschlagen, die Befugnisse und den Beobachtungsauftrag der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zu erweitern, um die Wettbewerbsverhältnisse über alle Wertschöpfungsstufen, insbes. im Raffineriebereich, besser einschätzen zu können. Zudem soll die Markttransparenzstelle zukünftig zusätzlich zu den Preisen an den Tankstellen auch die dazu abgegebenen Mengen erheben. Dies würde es ermöglichen, die Wettbewerbsverhältnisse auf der Ebene der Tankstellen besser beurteilen zu können.

Jahresbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamtes beobachtet fortlaufend den Handel mit Kraftstoffen und gibt die von ihr bundesweit erhobenen Kraftstoffpreise von etwa 15.000 Tankstellen in Deutschland an zugelassene Verbraucher-Informationsdienste weiter. Die Informationen können die Autofahrerinnen und -fahrer dann bei einer Vielzahl von Anbietern online und über mobile Apps abrufen. Gegenstand des vorliegenden Jahresberichtes sind in erster Linie die Beobachtungen, die für das Jahr 2021 gemacht werden konnten. Die Preissteigerungen der vergangenen Wochen wurden jedoch bis kurz vor Redaktionsschluss in die Darstellung einbezogen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

• Die Kraftstoffpreise sind stark gestiegen. Lag z.B. E5 Anfang 2021 noch unter 1,40 €/Liter, so war es kurz vor dem Angriff auf die Ukraine bereits 1,80 €/Liter. Einige Zeit nach der Eskalation, z.B. am 13.3.2022, lag E5 bei 2,26 €/Liter und Diesel bei 2,31 €/Liter. Am Sonntag, dem 10.4.2022, lagen die Preise wieder auf niedrigerem Niveau mit rund 2,02 €/Liter für E5 und 1,99 €/Liter für Diesel.

• Insbesondere Diesel hat sich damit in den letzten Wochen stark verteuert und lag häufig preislich über E5.

• Die Differenz zwischen Rohölpreisen und Tankstellenpreisen nahm zu Beginn der Ukraine-Krise stark zu. Dies wiederum lag insbesondere am wachsenden Abstand zwischen Raffinerie- und Rohölpreisen.

• An ein und derselben Tankstelle gibt es meist Preisunterschiede von 8-13 Cent/Liter am Tag. Vergleicht man die Tankstellen in einer Stadt, gibt es meist sogar Preisunterschiede von 18-24 Cent/Liter am Tag.

• Die Kraftstoffpreise sind im Schnitt meist morgens (ca. 5 bis 8 Uhr) am höchsten und abends (ca. 18 bis 22 Uhr) am niedrigsten, wobei es allerdings auch abends kleine Preisanhebungen gibt. Dazwischen schwanken die Preise oft erheblich. Am späten Abend und in der Nacht heben gerade die ohnehin teureren Tankstellen ihre Preise wieder.

• An Autohöfen in Autobahnnähe sind die Preise im Vergleich zu anderen Straßentankstellen zwar häufig etwas teurer (+2-3 Cent/Liter), aber wer an einer Autobahntankstelle tankt, muss meist mit noch sehr viel höheren Preisen rechnen. Diese liegen zumeist etwa 25 Cent/Liter über den Preisen an den Straßentankstellen. Es gibt allerdings einige wenige Autobahntankstellen, die trotz ihrer Lage keine deutlich teureren Preise erheben. Diese lassen sich gut über Tank-Apps ausfindig machen.

• Zwischen den verschiedenen Regionen in Deutschland gibt es nur geringe Preisunterschiede. Abgesehen von wenigen teureren bzw. günstigeren Regionen, beträgt die Preisdifferenz im Jahresmittel um die 5 Cent/Liter.

• Der Abstand von E5 zu E10 liegt bei etwa 6 Cent/Liter. Auch hier ergeben sich bei entsprechender Eignung des Fahrzeuges deutliche Einsparmöglichkeiten für wechselwillige Verbraucherinnen und Verbraucher.

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Verlag Dr. Otto Schmidt vom 21.04.2022 15:55
Quelle: Bundeskartellamt PM vom 12.4.2022

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