Otto Schmidt Verlag

Aktuell im IPRB

Dynamische und personalisierte Preisfindung aus wettbewerbsrechtlicher Sicht (Adinolfi, IPRB 2019, 225)

Benzin wird an der Tankstelle kurz vor Ferienbeginn teurer, Winterjacken kann man im Sommer günstiger erwerben als im Winter. In diesen oder ähnlichen Formen sind Preisdifferenzierungen allgemein bekannt und kein neues Phänomen. Eher unbekannt ist jedoch die von Unternehmen betriebene Preisdifferenzierung aufgrund subjektiver Kriterien wie z.B. Geschlecht oder Wohnort. Die Anforderungen, welche die Rechtsordnung für diese Art kundenangepasster Preispolitik aufstellt, sind vielschichtig. Der Beitrag beleuchtet unter Ausklammerung des Datenschutz- sowie Kartellrechts welche Regelungen aus lauterkeitsrechtlicher Sicht zu beachten sind.

I. Einführung: Was bedeutet Preisdifferenzierung?

1. Formen der Preisdifferenzierung

a) Dynamische Preise

b) Personalisierte Preise

2. (Volks-)wirtschaftliche Aspekte der Preisdifferenzierung

II. Rechtlicher Rahmen der Preisdifferenzierung

1. Mannigfaltigkeit der rechtlichen Vorgaben

2. Vorgaben durch das UWG

a) Dynamische Preise

b) Personalisierte Preise

aa) Unterschiedliche (Ziel-)Gruppenpreise, sog. Preisspaltung

bb) Geografische Preisdiskriminierung

cc) Geschlechterbezogene Preisdifferenzierung

III. Fazit

I. Einführung: Was bedeutet Preisdifferenzierung?

Preisdifferenzierung meint, dass eine Ware zu unterschiedlichen Preisen an verschiedene Kunden verkauft wird (Varian, Price Discrimination, 1987, S. 1).

1. Formen der Preisdifferenzierung

Im Rahmen der Preisdifferenzierung wird unterschieden zwischen dynamischen oder personalisierten (Synonym: individuellen) Preisen.

a) Dynamische Preise

Dynamische Preise sind Preise, die an den aktuellen Marktbedarf angepasst werden (Wenglorz in Fezer/Büscher/Obergfell, UWG (PAngV), 3. Aufl. 2016, S. 14, Rz. 81f). Sie sind nach h.M. Konsequenz von Angebot und Nachfrage und demnach Ausdruck der gegenwärtigen Marktlage (Hofmann, WRP 2016, 1074 Rz. 1; Tietjen/Flöter, GRUR-Prax. 2017, 546). Beispiele aus der Praxis finden sich hierfür zuhauf. So soll Amazon seine Preise mehrmals am Tag ändern. Vor Weihnachten sollen Preisangaben für Produkte gar bis zu 70 Mal in einer Woche verändert werden (Lamprecht, Dynamic Pricing – so beherrschen Sie die Wunderwaffe ohne Risiko, 21.1.2019, https://etailment.de/news/stories/Dynamic-Pricing-Wunderwaffe-risiko-4220). Aber auch im analogen Bereich finden sich Preisdifferenzierungen. Mit Hilfe elektronischer Preisschilder...

 


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 10.10.2019 11:23
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt KG

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