Otto Schmidt Verlag

Aktuell im IPRB

Ärger um Winnetou (Hoene, IPRB 2018, 255)

Urheberrechte entstehen mit der Werkschöpfung. Für die Dauer des Urheberrechtschutzes, also bis zum Ablauf von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers bestimmen dieser bzw. seine Rechtsnachfolger über das Werk. Dies schließt Entscheidungen über vermögensrechtliche Verwertungsbefugnisse ebenso ein, wie ein Vorgehen aus Urheberpersönlichkeitsrechten. 70 Jahre nach dem Versterben des Urhebers ist damit jedoch Schluss; anders als bspw. eine Marke kann man das Urheberrecht nicht durch wiederkehrende Zahlungen verlängern oder durch fortlaufende Nutzung wie ein Unternehmenskennzeichen aufrechterhalten. Das Werk wird „gemeinfrei“ und steht damit grundsätzlich jedem für eigene Verwendung zur Verfügung.

I. Einleitung: Werktitelrecht

II. Die Problemlage

III. Der edle Indianerhäuptling

1. Die Grundsatzentscheidung

2. Winnetou und der Seewolf

3. Winnetou – Die Fortsetzung

4. Winnetou – Die Marke

5. Winnetous Ende

IV. Fazit

I. Einleitung: Werktitelrecht

Die Gemeinfreiheit eines Werkes wird nicht selten erwartet und kommerziell da ausgenutzt, wo z.B. „populäre Klassiker“ auch für „Sequels“ einen Markt erwarten lassen. Dr. Schiwago des russischen Autors Boris Pasternak hat mit „Laras Tochter“ eine zunächst vom BGH untersagte[1] Fortsetzung erfahren, wie etwa auch diverse Jane Austen-Romane. Nach Ablauf des gesetzlichen Urheberrechtschutzes sollte also alles möglich sein. Geradezu erstaunlich erscheint es bei dieser Konstellation, dass die – zumindest der Anzahl der gerichtlichen Entscheidungen nach zu erteilen – wohl bedeutendste deutsche literarische Figur – Winnetou – nach wie vor die Gerichte beschäftigt, so zuletzt das LG Düsseldorf im März dieses Jahres[2]. Dies, obwohl der Winnetou – Schöpfer Karl May im Jahr 1912 starb, seine Werke also seit 1963(!) gemeinfrei sind. Dass nach wie vor so heftig über Winnetou und seine Gefährten gestritten wird, liegt nicht nur an dem offenbar nicht nachlassenden Interesse an dem edlen Indianerhäuptling (und dessen kommerzieller Verwertbarkeit), sondern einem eher versteckten Schutzrecht im Markengesetz – dem Werktitelschutz. Dessen Verhältnis zum Urheberrecht soll nachstehend einmal beleuchtet werden.

II. Die Problemlage

Werke haben einen Titel. Wer diesen bestimmen darf und ob ggf. Rechte daran übertragen werden, findet sich regelmäßig in Verlagsverträgen (s. z.B. den Normvertrag für den Abschluss von Verlagsverträgen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dort § 1.2). Dabei handelt es sich jedoch lediglich um vertragliche Absprachen, denn dass Werktitel allein schon aufgrund ihrer Kürze in aller Regel nicht urheberrechtschutzfähig sind, ist mittlerweile unumstritten.[3] Wer sich allerdings, zumal nach Auslaufen des Urheberrechtschutzes, bei der Verwendung des Titels eines gemeinfreien Werks auf der „sicheren Seite“ wähnt, kann schnell eines Besseren belehrt werden. Unabhängig von der Urheberrechtschutzfähigkeit eines Werkes oder aber...
 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 06.12.2018 10:35
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln

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